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Epiphyten wachsen auf anderen Pflanzen, man nennt sie auch Aufsitzerpflanzen. Man findet epiphytische Pflanzen vor allem in den Tropen und Subtropen.
Auch als Zimmerpflanzen sind Epiphyten sehr beliebt, z.B. Orchideen und Bromelien. Es handelt sich zumeist um genügsame Arten, die bei guter Pflege an einem hellen Standort in lockerem Substrat prima gedeihen.

Was bedeutet epiphytisch?
Epiphyten sind so genannte Aufsitzerpflanzen.
Der Begriff leitet sich von altgriechisch epí („auf, über“) und phytón („Pflanze“) zusammen. Denn es handelt sich um Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen.
Eine von Epiphyten besiedelte Pflanze nennt man Phorophyt, abgeleitet von von altgriechisch phorós („tragend“) und phytón („Pflanze“).

Wie wachsen Epiphyten?
Holoepiphyten verbringen ihren gesamten Lebenszyklus auf einer anderen Pflanze. Diese oder echten Epiphyten keimen, wachsen und vermehren sich hoch oben im Laub ihrer Trägerpflanzen, ohne je Bodenkontakt zu haben.

Hemiepiphyten verbringen nur einen Teil ihres Lebens auf einer anderen Pflanze.
Primäre Hemiepiphyten keimen als Epiphyten, entwickeln aber nachträglich Erdwurzeln. Sekundäre Hemiepiphyten keimen terrestrisch, ranken an ihrer Trägerpflanze hoch und kappen erst nachträglich die Verbindung zum Erdboden.
Nicht jeder Epiphyt lebt hoch oben in den Baumkronen der Regenwälder. Oftmals wachsen die Arten am unteren Teil von Baumstämmen nur einige Meter über dem Waldboden.

Die Einstufung einer Art als Landpflanze oder Epiphyt ist oft fließend. Man unterscheidet zwischen obligaten Epiphyten und fakultativen Epiphyten[1].
Denn in der Natur findet man sehr oft opportune Aufsitzerpflanzen, bei denen nur ein paar Individuen einer Art epiphytisch wachsen, obwohl sie nicht müssten.
Viele dieser Arten sind eigentlich als terrestrisch eingestuft und besetzen keine allzu speziellen Anpassungen an das Leben in den Baumkronen.
Es handelt sich hierbei oft um so genannte Zufallsepiphyten.
Diese Pflanzen können bei Gelegenheit und ausreichend großen Humusansammlungen auch mal Äste besiedeln, müssen aber nicht. Bei manchen dieser Arten findet man genauso viele Vertreter auf dem Boden wie in den Baumkronen.

Sind Epiphyten Parasiten?
Epiphyten sind keine Parasiten. Obwohl sie den hohen Wuchs ihrer Trägerpflanze schamlos zum eigenen Vorteil ausnutzen, schädigen sie diese nicht direkt.
Epiphyten nutzen Bäume als Habitate, nicht als Wirtspflanzen.
Viele epiphytische Pflanzen können je nach Standort ebenso gut auf leblosem Untergrund, zum Beispiel auf Totholz oder als Lithophyten auf Gestein wachsen.
Es gibt aber immer Ausnahmen. Einige Schmarotzer wie die Mistel wachsen epiphytisch hoch oben in ihren Wirtsbäumen und zapfen deren Leitbahnen an.
Und die hemiepiphytische Würgefeige beginnt ihr Leben als Epiphyt. Wenn ihre absurd langen Wurzeln es schaffen Kontakt zum Erdboden aufzubauen, beschleunigt sie ihr Wachstum und umschließt ihren Wirtsbaum bis dieser abstirbt.
Die meisten Aufsitzerpflanzen können sich aber ganz prima selbst versorgen und wollen nichts weiter von ihrem Tragbaum. Bei Zimmer- und Terrarienpflege können sie ja auch ohne Trägerpflanze wunderbar gedeihen.

Merkmale epiphytischer Pflanzen
Epiphyten können hoch oben in den Ästen von Bäumen zu überleben. Denn dort wachsen sie näher am Sonnenlicht.
Epiphyten haben meist einige Haftstrukturen entwickelt, mit denen sie sich bei Wind und Wetter auf Baumrinde und in Astgabeln fixieren können.
Außerdem sparen sie sich Energie, Nährstoffe und Konkurrenzdruck, um vom Urwaldboden nach ganz oben zu wachsen. Das überlassen sie ihrem Trägerbaum.

Die epiphytische Lebensweise bringt aber auch Nachteile mit sich. Denn nur von Sonnenlicht allein kann ja auch ein Epiphyt nicht überleben.
Sie besiedeln sehr diverse Mikrohabitate, aber bevorzugen Astgabeln und grobe Rinde, in denen sich ausreichend organisches Material ansammeln kann.
Um den limitierten Zugang zu Wasser und Nährstoffen auszugleichen, besitzen viele Epiphyten außerdem spezielle Anpassungen an ihr Habitat.
In ihrem kleinen Ökosystem können Epiphyten am richtigen Standort ein erstaunlich reichhaltiges Nährstoffangebot vorfinden. Das Wasserangebot im Lebensraum der Epiphyten schwankt dennoch oft erheblich.

In der Regel handelt es sich um nährstoffarme Habitate. Und die hohe Sonneneinstrahlung in der Baumkrone führt natürlich zu hoher Wasserverdunstung.
Man findet Epiphyten daher nicht umsonst vor allem in Klimazonen und Habitaten, in denen regelmäßige Regenschauer, Nebel oder Tau üblich sind.
Es handelt sich meist um sehr genügsame Pflanzen. Viele Epiphyten besitzen sukkulente Wasserspeicher und andere Strukturen, um Wasser und Nährstoffe besonders schnell aufzunehmen und Vorräte für schlechte Zeiten anzulegen.
Einige typische Merkmale der Epiphyten sind Haftorgane, Luftwurzeln, Pseudobulben, Saugschuppen oder trichterförmiges Blatt- und Wurzelwachstum.

Ihr Wuchs ist oft kompakt und gedrungen oder rankend bis kriechend and die Rinde geschmiegt.
Viele Epiphyten verbreiten sich sehr erfolgreichen vegetativ in angrenzende Flächen, sie bilden kriechende Rhizome, Ausläufer und Ableger. Das verbessert die Chancen herabfallendes Laub und Wasser aufzufangen.
Eine große Herausforderung der epiphytischen Lebensweise ist allerdings die generative Vermehrung. Denn Samen fallen ja dank Gravitation wie Steine zur Erde.
Sie Samenausbreitung muss also so gestaltet sein, dass zumindest ein Teil der Nachkommen auch tatsächlich auf einem Baum zu landen kommt.
Typen von Epiphyten
Epiphyten gibt es in vielen Pflanzenfamilien, zum Beispiel in diesen:
Epiphytische Orchideen
Sehr viele Orchideen wachsen an ihrem Naturstandort auf Bäumen. Bei vielen Orchideen findet man daher typische Merkmale epiphytischer Lebensweise.
Mit ihrer enormen Vielfalt an Farben und Formen sind Orchideen zudem beliebt als Zimmer- und Terrarienpflanzen.
- Phalaenopsis
- Cattleya
- Vanda
- Cymbidium
- Dendrobium
- Zygopetalum
Die oft zahlreichen Luftwurzeln der Orchideen erscheinen durch eingelagerte Chloroplasten grün. Man findet oft abgeflachte Wurzeln, die zu Haft- und Halteorganen umgebildet sind.
Wurzeln sind oft von einem schwammähnlichen Velamen radicum aus toten Zellen ummantelt. Das ermöglicht es der Orchidee besonders schnell Nährstoffe und Wasser aufzunehmen und ins Innere weiterzuleiten.

Auch fleischige Blätter und verdickte Sprossachsen (Pseudobulben) sind ein typisches Merkmal vieler Orchideen. Diese Strukturen dienen dazu Wasser und Nährstoffe zu speichern.
Besonders eindrucksvoll sind die oft ungewöhnlich angeordnetetn herabhängenden Blütenstände, z.B. bei Stanhopea, Coelogyne oder Bulbophyllum.
Orchideen bilden Kapselfrüchte mit je einer riesigen Anzahl erstaunlich winziger Samen, die auf einen Embryo mit Hülle reduziert sind.
Denn um das Gewicht niedrig zu halten, verzichten Orchideen darauf ihren Embryonen ein Nährgewebe aus Speicherkohlehydraten mitzugeben.
Damit Orchideensamen erfolgreich keimen können, sind sie auf eine Symbiose mit Pilzen angewiesen. Pilzfäden dringen in den Samen ein und die Mykorrhiza ernährt den Keimling.
Auch physiologische Anpassungen des Stoffwechsels helfen dabei mit Nährstoffmangel und Trockenheit hoch in den Blätterkronen zurechtzukommen.
Viele sukkulente Orchideen nutzen den so genannten CAM-Mechanismus.
Dabei sind im Gegensatz zu anderen Pflanzen die Aufnahme und die Fixierung von Kohlenstoffdioxid zeitlich voneinander getrennt.
Das für die Photosynthese benötigte Kohlenstoffdioxid wird in der Nacht aufgenommen und für den Folgetag gespeichert.
Dieser CO2-Speicher erlaubt es der Orchidee ihre Spaltöffnungen tagsüber bei Hitze auch mal geschlossen zu halten, um den Wasserverlust zu minimieren.

Epiphytische Bromelien
Mehr als die Hälfte aller Bromelienarten wächst epiphytisch.
- Lanzenrosette
- Flammendes Schwert
- Zimmerhafer
- Tillandsien
- Guzmania
- Neoregelia
Viele Bromelien sind für ihre trichterförmige Blattrosetten bekannt. Blätter wachsen so eng und dicht, dass sie Wasser auffangen und Zisternen bilden.

In diesen Wasserbecken können sich Regenwasser und herabfallender Dreck sammeln. So gestaltet die Pflanze ihr eigenes kleines Biotop.
Die kurzen drahtigen Wurzeln der Bromelien hingegen dienen vor allem als Haftorgane. Bei Tillandsien oder Luftpflanzen sind die Wurzeln oft stark reduziert.

Dafür findet man bei den Bromeliengewächsen oft haarähnliche Saugschuppen (Trichome), die der Pflanze eine silbrig-graugrüne Oberfläche verleihen können.
Mit diesen teils sehr komplex aufgebauten Schuppenhaaren können die Bromelien und Tillandsien Niederschlag und gelöste Nährstoffe direkt an ihrer Oberfläche aufnehmen, ohne sich eine Wurzel leisten zu müssen.
Bromelien bilden gerne Ableger und Seitensprosse. Samen werden entweder mit fallschirmartigen Anhängseln durch den Wind ausgebreitet oder als Beeren von Baumbewohnern und Vögeln gegessen und unverdaut ausgeschieden.
Einige Tillandsien besitzen Flughaare, die bei Feuchtigkeit am Untergrund haften. So stellen die Pflanzen sicher, dass sie nur an feuchten Standorten keimen.

Epiphytische Aroiden
Araceae wachsen oft als Kletter- und Rankpflanzen. Viele Aronstabgewächse wachsen zudem als Aufsitzerpflanzen.
- Monstera
- Philodendron
- Rhaphidophora
- Anthurium
- Syngonium
- Scindapsus
- Epipremnum
Häufige sind auch primäre als auch sekundäre Hemiepiphyten. Also solche, die nachträglich zum Boden wurzeln oder nachträglich ihre Erdwurzeln aufgeben.
Luftwurzeln mit Velamen, Haftwurzeln , buschige Wurzelgeflechte und rosettenförmiger Wuchs zum Auffangen von Wasser oder herabgefallenem Schmutz sind typische Anpassungen einiger Aroiden an ein Leben als Epiphyt.
Epiphytische Farne
Viele unserer Zimmerfarne wachsen als fakultative Epiphyten oder sogar mit Vorliebe als Aufsitzer größerer Pflanzen oder in Fels- und Mauerspalten. Etwa ein Drittel aller Farnarten ist zumindest teilweise epiphytisch.
Auch hier findet man einige Anpassungen.
So besitzen die Geweihfarne sterile schildförmige Wedel, mit denen sie sich fest am Untergrund verankern können.

Der nestförmige Wuchs vieler Farnarten hilft dabei Laubmaterial aufzufangen und so einen eigenen kleinen Komposthaufen zu kultivieren.
Manche Farne wie die Hasenpfotenfarne haben dicke haarig beschuppte Rhizome, die kriechend wachsen und bei der Wasseraufnahme helfen.
Epiphytische Kakteen
Es gibt viele Pflanzen, die epiphytisch wachsen und gleichzeitig sukkulente Eigenschaften mitbringen. Denn wer sich hoch im Baum wohnend einen kleinen Wasservorrat anlegen kann, ist bei diesem Lebensstil klar im Vorteil.

So ist es kein Wunder, dass man in der Natur neben Orchideen, Bromelien und Aroiden auch Kakteengewächse auf Bäumen wachsend vorfindet. Viele Arten bilden Luftwurzeln.
- Königin der Nacht
- Epiphyllum
- Weihnachtskaktus
- Rhipsalis
- Osterkaktus
Andere Epiphyten
Neben Orchideen, Bromelien, Kakteen und Aroiden beherbergen viele weitere Pflanzenfamilien die eine oder andere epiphytische Art. Zum Beispiel gedeihen einige Peperomien, Schamblumen und Rachenreben als Aufsitzerpflanze.
Aquatische Epiphyten
Für Zimmerpflanzen nicht relevant, aber der Vollständigkeit halber:
Sogar unter Wasser findet man epiphytische Pflanzen. Denn natürlich ist Licht Mangelware, wenn man unter Wasser wächst. Es handelt sich meist um kleinere Algen, die größere Seegräser besiedeln, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Epiphylle
Wenn Pflanzen die Blattflächen größerer Pflanzen besiedeln, bezeichnet man das als epiphyll (von epí =„auf“ und phyllon =„Blatt“). Das Leben in der Phyllosphäre ist eine spezielle Unterform der epiphytischen Lebensweise.
Hier findet man vor allem Flechten, Algen, Moose, Farne oder andere kleine Sporenpflanzen in tropischen Regionen und Bergregenwäldern.
Denn nur hier ist eine konstante Wasserversorgung gewährleistet, die kritisch für das Überleben dieser niederen Pflanzen ist.
Epiphylle können ihre Trägerblätter abschatten und ihnen deren Photosynthese behindern. Und auch in dieser Gruppe findet man manchmal parasitische Organismen, die Wasser und Nährsalze von ihrem Trägerblatt stehlen können.
In Europa findet man vor allem Epiphylle und nur selten mal eine epiphytische Gefäßpflanze. Denn Letzere vertragen die Jahreszeiten der gemäßigte Zone nicht.
Epiphyten für Zuhause
Eignen sich Epiphyten als Zimmerpflanze? Ganz prima sogar!
Denn diese Pflanzen haben reduzierte Ansprüche an Wasser- und Nährstoffgaben. Sie sind meist erstaunlich robust und anspruchslos.
Wer epiphytischen Pflanzen pflegen will, sollte sich den natürlichen Lebensraum dieser Pflanzen anschauen. Am Naturstandort leben Epiphyten von Regenschauern oder Nebel und ernähren sich von zersetztem organischem Material.
Ihr Fensterplatz sollte viel Licht, aber keine direkte Mittagssonne bieten. Manche Arten mögen es warm, andere bevorzugen eher temperierte Standorten.

Typische Trägerbaume haben oft eine stark strukturierte grobe Rinde mit guter Wasserspeicherkapazität und von Moos bewachsenen Flächen.
Auch aufgebunden, in Hängeampeln oder Blumentöpfen wachsen viele echte Epiphyten oft lieber auf einem groben und leicht feuchten Untergrund, an dem sie sich fest anhaften können.
Auch außerhalb ihres natürlichen Lebensraums möchten die wenigsten dieser Pflanzen in nasse Blumenerde getopft werden. Sie reagieren empfindlich auf Staunässe. Man darf hier also nicht dem Irrglauben erledigen, dass jede tropische Art immerzu gegossen werden möchte. Bei Epiphyten kann weniger mehr sein.
Besser geeignet ist ein besonders durchlässiges Substrat.
Je nach Pflanze ist das eine Mischung aus Rinde, Fasermaterial und Moos wie bei Orchideensubstraten, manchmal auch mit Kies und Perlit gemischte Erde.
Auch gedüngt werden sollte sparsam. Produkte wie Orchideen- oder Farndünger sind mit ihrer bereits schwachen Konzentration anfängerfreundlich zu dosieren.

Viele Epiphyten mögen ein bißchen Luftzirkulation. Sie werden gern angesprüht und genießen eine erhöhte Luftfeuchte. Ausnahmen gibt es aber immer.
Nach der Blüte legen einige Arten eine Ruheperiode ein, um sich zu erholen. Wie gesagt, Nährstoffe sind im Lebensraum der Epiphyten oft Mangelware.
Fazit
Du hast jetzt eine Menge über Epiphyten gelernt.
Es handelt sich um Pflanzen, die auf Pflanzen wachsen. Epiphyten findet man in vielen Pflanzenfamilien, nicht alle sind eng miteinander verwandt.
Viele tropische und subtropische Arten wachsen nur gelegentlich epiphytisch.
Andere Arten wechseln im Laufe ihres Lebens zwischen terrestrischen und epiphytischer Lebensweise, sie werden als hemi-epiphytisch bezeichnet.
Epiphyten besitzen oft verschiedene morphologische und physiologische Anpassungen, die ihnen das Leben in ihrem Habitat erleichtern:
- Sukkulenz
- Kriechender Wuchs
- Ableger, Kindel
- Blatttrichter
- Blattzisternen
- Luftwurzeln
- Velamen
- Saugschuppen
- Haftorgane
- CAM-Photosynthese
- Reduzierte Samen
- etc.
Viele Zimmerpflanzen sind Epiphyten. Besonders häufig werden epiphytische Orchideen, Bromelien, Farne, Aroiden und Kakteen gepflegt.
Achte auf eine angepasste Pflege mit lockerem Substrat, durchdringenden Wassergaben und super guter Drainage, Luftzirkulation und sparsamer Düngung. Dann werden Dir Deine Epiphyten lange Freud bereiten.
Links
[1] Hoeber & Zotz (2022). Accidental epiphytes: Ecological insights and evolutionary implications. Ecological Monographs. https://doi.org/10.1002/ecm.1527
[2] Pflanzenforschung.de: Epiphyten.




